Gedanken,  Langsam Leben

#Gedanken – Depressionen

Antriebslos…demotiviert…negativ…kaputt…energielos…lustlos…frustriert…ängstlich…traurig…alleine…

Depressionen haben viele Gesichter und ich bin mir sicher, dass weit mehr Menschen unter Depressionen leiden als bekannt ist.
Der Anfang meiner Probleme bis hin zur Erkenntnis, dass es sich hierbei um eine Depression handelt, dauerte mehrere Jahre.
Es ist ein schleichender Prozess, der sich nicht von heute auf morgen äußert, sondern sich wie ein Puzzle, Teil für Teil zusammensetzt.

Alles was mir früher Freude bereitet hat ist plötzlich weg. Ich hatte keine Hobbys mehr, wollte niemanden mehr sehen, fühlte mich in Gesellschaft unwohl und war mit den kleinsten Dingen überfordert.

Die ein oder andere Erscheinung kann man locker wegstecken. Ist vielleicht eine Phase, die sich in ein paar Tagen wieder legt. Doch als sich das Alltägliche Leben zur Herausforderung wurde brach ich zusammen.

Ich spürte die Überforderung deutlich in meinem Job. Konnte mich nicht mehr konzentrieren. War dem Stress nicht mehr gewachsen. Ich reagierte Emotional bei der kleinsten Konfliktsituation. Das Anstrengendste dabei war, dass ich auf der Arbeit versucht habe diese Symptome zu vertuschen. Ich wollte immer noch die gleiche sein. Immer noch die Ehrgeizige, Zielstrebige, Belastbare, Schnelle und Zuverlässige Marliese.

Ich habe den Job gewechselt und meine Stunden reduziert, in der Hoffnung, dadurch wieder mehr Energie in meinem Leben zu führen. Das ganze hat leider nicht funktioniert. Die Symptome nahm ich in den neuen Job mit. Die Energielosigkeit trotz weniger Stunden Arbeiten auch.

Auf die Depressionen folgten Zwangsstörungen. Hab ich den Herd ausgeschaltet? Hab ich alle Stecker rausgezogen? Es könnte meinetwegen brennen. Ist das Bügeleisen aus? Kontrollgang Nummer eins. Kontrollgang Nummer zwei. Kontrollgang Nummer drei….

Mein Freund rüttelte mich wach.

„Schatz, so kann es nicht weitergehen. Ich habe das Gefühl, dass du immer Abwesend bist. Du bist gar nicht richtig da. Liegt das Problem an mir?“.

Und das war ich auch. Ich verkroch mich in meine Emotionen. Selbst in Gesellschaft fühlte ich mich alleine und war nicht anwesend.
Wenn ich unter Menschen war, schaffte ich es eine Maske aufzusetzen. Ich habe gelacht ich war witzig. Zu Hause setzte ich diese Maske ab und lies mich von meinen Emotionen treiben.

Und mein Partner bekam alles ab.

Der Gedanke, dass ich durch mein verhalten meine Beziehung zerstören könnte quälte mich. Der Gedanke, dass ich am Ende meines Lebens auf ein Unglückliches Leben blicken könnte quälte mich. Diese Trauer…

Ich musste etwas Ändern. Ich WOLLTE etwas Ändern.

Ich holte mir Psychologische Hilfe. Ich habe mich Geschämt. Geschämt dafür, dass ich mein Leben nicht im Griff hatte. Geschäfte dafür, dass ich nicht mal einen Haushalt führen konnte. Ich habe mich für meine Gedanken geschämt. Ich habe mich dafür geschämt, meine Emotionen nicht im Griff zu haben.

Wenn ich von Heute auf mein damalige Situation zurückblicke war es das beste was ich machen konnte. Die Entscheidung, mich in eine Therapie zu begeben, hat mir ein neues Lebensgefühl Geschenkt.

Ich lernte damit umzugehen. Die Depressionen sind ein Teil von mir und ich nehme sie Dankbar an. Nur durch diese schwierige Zeit in meinem Leben konnte ich weiter wachsen. Nur durch sie kann ich heute schätzen was ich im Leben habe.

Man muss die Schattenseiten erleben, um das schöne schätzen zu lernen.

Ich habe die Depressionen längst nicht überwunden. Es gibt Phasen da klopfen sie wieder an die Türe. Von jetzt auf gleich. Das geht ganz schnell. Aber ich weiß mit ihnen umzugehen. Ich weiß, dass sie ein Wegruf sind und es Zeit ist sich auf meine Bedürfnisse zu konzentrieren.

Denn ich bin das wichtigste in meinem Leben.

Nur durch sie, habe ich diesen Lebenswandel vollzogen und achte auf mein Leben… mein langsames Leben.

Man muss nicht mit ihnen alleine klar kommen. Es ist vollkommen in Ordnung sich Hilfe zu suchen. Ich bin trotzdem wundervoll.

Und das kann ich nur an jeden weitergeben, der mit ähnlichen Symptomen zu kämpfen hat.

Du bist nicht alleine.

2 Kommentare

  • Tanne

    Schön und anschaulich deine Situation beschrieben.

    Hier kann mensch wieder sehen, wie individuell wir doch alle sind.

    Jede/r macht andere Erfahrungen mit sich selbst, auch wenn die Symptome häufig ähnlich sind, gibt es keine allgemein zutreffende Beschreibung.

    Ich versuche die Finsternis als Teil von mir zu begreifen. Da Umstände mich in diese Lage zwingen, die sich in meinem Leben wohl nicht mehr ändern lassen, muss ich der Dunkelheit in mir einen großen Raum zugestehen. Mal sehen, wie sich das so zusammenfügt.

    Grüße

    Tann

    • Marliese

      Hej Tann, danke für deine Nachricht!
      Die Finsternis ist ein Teil von dir und auch ein Teil von mir. Sie hat auch nach wie vor eine Daseinsberechtigung, da sie mir zeigt, dass unbewusst etwas im argen liegt. Ich möchte, dieser Seite aber nicht mehr so viel Macht zugestehen. Ich erkenne sie, ich nehme sie an und ich schau, was sie mir sagen möchte.
      Das erkennen klappt schon recht gut. Die anderen Schritte werden immer besser 🙂

      Ich finde „Der Dunkelheit einen großen Raum zuzugestehen“ sehr mutig von dir. Und wünsche dir dafür alles gute.

      Viele Grüße,
      Marliese

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