Fast Fashion
Konsum,  Langsam Leben,  Nachhaltigkeit

Raus aus dem Fast Fashion Kreislauf

Wer geht nicht gerne Shoppen? Hier ein Kleidchen, da ein paar Schuhe. Das monatliche shoppen gehörte fest zu meinem Leben.
Ich habe mind. 200 Euro im Monat für Fast Fashion ausgegeben. Ich ging in die gängigen Läden der Innenstadt und kaufte mir auch oft Dinge, die ich am Ende kein einziges Mal getragen habe.

In meiner Lebensumstellung hat sich meine Meinung zur Kleidung deutlich verändert.
Und mittlerweile bin ich Dankbar, diesen Weg des Belohnens nicht mehr zu gehen.

In meinem Blogbeitrag, Als mein Besitz mich erdrückte, habe ich bereits darüber berichtet, wie ich mich zum ersten Mal mit meinem Kleiderschrank auseinander gesetzt habe. Heute möchte ich etwas ins Detail gehen und erzählen, was sich bei mir verändert hat.

Ich habe meine Kleidungsstücke nicht gezählt, aber ich hatte viel zu viel von allem!
Ich konnte alleine einen 3 Meter PAX füllen. Und das ohne Probleme.
Ich hatte von allem auch zu viel. So sammelte ich nicht nur Handtaschen, sondern auch Schals/Tücher, Schmuck, Jacken und Schuhe (obwohl ich immer der Meinung war, dass ich wesentlich weniger auf Schuhe stehe als andere Frauen).

Als ich vor ein paar Jahren mit meinem Partner zusammen gezogen bin, wurde ich zum ersten Mal mit meiner Kleidung konfrontiert. Wir wollten uns in Zukunft meinen Kleiderschrank teilen. 3 Meter lang und 2 Meter hoch, gefüllt mit meinem ganzen Krempel.
Da ich figürlich betrachtet ein unachtsames Jo-Jo war, hatte ich auch von Größe 36-40 Kleidung im Schrank hängen. Für jede Situation vorbereitet.
Wenn ich aktuell Kleidergröße 40 ausgefüllt hatte, habe ich trotzdem die XS-Teilchen aufgehoben. Schließlich sollte ich da auch mal wieder reinpassen.
Das Jo-Jo ist ein anderes Thema, gehört aber zu meinem mittlerweile Achtsamen Leben dazu und ist wohl ein anderes Thema 🙂

Als nun der Tag des Einzugs kam (vor ca. 3 Jahren) habe ich „ausgemistet“. Was für mich bedeutete, dass ich alles was ich momentan nicht trug in Kisten gepackt und in den Keller gestellt habe.
Als wir uns vor ein paar Wochen mit unserem nächsten Umzug beschäftigt hatten, standen dort ca. 10 Kisten mit Kleidung von mir. NUR von mir. Ich konnte einfach nichts weggeben. Ich musste lernen Loszulassen.

Durch den bevorstehenden Umzug und meinem selbst aufgelegten Einkaufsstopp hat sich eine befreiendes Gefühl eingestellt und mir persönlich geholfen, aus diesem Kreislauf auszubrechen.

Was hat sich für mich geändert und wie bin ich an die Sache rangegangen?

Ich war eine Marionette der Fast Fashion

Der Einzelhandel bietet ständig neue Kollektionen. Gefühlt, haben sie jede Woche neue Kleidung in ihren Läden hängen. Durch Instagram & co. wusste ich auch immer über die neuesten Trends bescheid. Ich wollte das tragen, was ich in den Sozialen Medien gesehen hatte. Das Shirt mit dem aufgedruckten Kaktus, die Polyester-Bomberjacke, Boyfriend Jeans, Skinny Jenas, Avocado Shirt und so weiter. Die Trends kommen und gehen schnell. Und was in der einen Woche noch modern war, war in der nächsten schon veraltet.

Als erster Schritt war es für mich, die Läden nicht mehr zu betreten. Wenn ich in der Innenstadt unterwegs war, bin ich in keinen Klamottenladen. Was in den ersten Tagen schwierig für mich war, hat sich nach einer Zeit als wahre Erleichterung angefühlt.

Ich sah zwar in den Sozialen Medien immer noch was gerade Modern ist. Ich habe aber auch gesehen, wie schnell dieser Trend wieder verflogen ist.

Zeitgleich bin ich Schritt 2 Angegangen. Ich habe angefangen diese Fast Fashion Trends aus meinem Kleiderschrank auszumisten.

Das erste Ausmisten

Die Kisten im Keller bin ich erst mal nicht angegangen. Der erste Schritt war der aktuelle Kleiderschrank.
Ich habe meine ganze Kleidung ausgeräumt und in Kategorien unterteilt.

  1. LieblingskleidungDie Teile, die ich jederzeit gerne trage, in denen ich mich gut fühle und die sich gut auf meiner Haut anfühlen, habe ich wieder in den Kleiderschrank gelegt.
  2. Zu verkaufenDazu gehörten hochwertigere Kleidungsstücke. Hauptsächlich verkaufe ich diese über Kleiderkreisel und Flohmarktgruppen
  3. Zu verschenkenZuerst durften meine Freundinnen drüber schauen. Den Rest habe ich dem Sozialkaufhaus meiner Stadt gespendet.
  4. Entscheide ich später- KisteDie „Entscheide ich später- Kiste“ war für Kleidungsstücke, von denen ich mich aktuell nicht trennen konnte. Nach meinem Ausmisten gab es zwei dieser Kisten, die mit umgezogen sind. Der Plan war es, später nochmal rein zu schauen und dann zu entscheiden, ob ich die Teile behalte oder nicht.

So habe ich die erste Hürde gemeistert. Und diesen Prozess habe ich nicht nur ein mal getan. Ich habe im Abstand von ein paar Wochen immer wieder meinen Kleiderschrank geleert. Denn je mehr ich mich verändert habe, desto weniger brauchte ich von der Kleidung.

Ausmisten der Kellerkleidung

Meine 10 Kisten im Keller ging ich als nächstes an.
Was mir da so schwer viel, war die emotionale Bindung die ich zu der Kleidung hatte.

Ich habe alle Sachen weg, die nicht meiner aktuellen Größe entsprachen. Das war wohl der größte Haufen. Aber die Akzeptanz, dass ich so bin, wie ich Jetzt bin viel mir schwer.
Ich brauche keine Puffer Kleidung für schlechte Tage in größeren Größen. Aber auch nicht die viel zu engen Teilchen in die ich seit über 10 Jahren nicht mehr reinpasse.

Also Weg damit!

Der Rest war auch nicht mehr viel und so habe ich die Kellerkisten auf eine einzige „Erinnerung Kiste“ reduziert. In dieser Erinnerung steckt keinerlei Erwartung, sondern nur die Freude an schönen Band-Shirts aus der Jugend, Kostüme und Tücher/Schals von meiner Mutti und Oma.

Nach dem Umzug, wie geht es weiter?

Ja das ist die Große Frage. Die Lust am Shoppen ist noch nicht zurück. Aber ich bin seitdem schon in den ein oder anderen Laden gegangen. Nur ich hatte keine Lust etwas zu kaufen.
Ich musste für mich definieren, wie ich mit dem Thema umgehe. Und daraus hat sich folgendes ergeben

  • Ich habe eine Basic- Kleiderschrankalexa-mazzarello-223415
    Durch meine Lieblingskleidungsstücke habe ich festgestellt, dass ich lieber Basic Teile kombiniere und einen schlichten Kleidungsstil bevorzuge.
    In diesen Teilen fühle ich mich immer Wohl. Ich trage gerne schwarz und weiß und verzichte auf grelle Farben.
  • Ich trage kein Polyester mehrIn meinem Kleiderschrank befinden sich noch ein paar dieser Teilchen und ich werde sie tragen, bis sie kaputt sind. Aber ich kaufe mir keine neue Polyester Kleidung mehr dazu. Sind wir mal ehrlich, man schwitzt und stinkt darin einfach wesentlich schneller. Und noch dazu fühlt es sich für mich nicht gut auf der Haut an.
  • Fair Fashion oder Second Handonur-bahcivancilar-140823
    Wenn ich mir neue Kleidung kaufe, dann nur Faire Fashion oder Second Hand.
    Wenn ich online Bestelle, dann z.B. bei Avocado Store oder ich unterstütze die vielen kleinen Deutschen Labels, die wert auf Faire und Ökologisch korrekte Kleidung legen.
  • Immer den Überblick behaltenIch werde immer wieder mal meine Kleidung durchsehen und ausmisten. Weiterhin möchte ich immer den Überblick über meinen Kleidungsschrank haben.
    Kleidung ist für mich kein Belohnungsprinzip mehr. Und ich benötige auch nicht die auffälligsten Polyester Teilchen um mich zu identifizieren.

Für mich ist ein bewusster Umgang mit dem Thema sehr wichtig.
Wenn ich früher die ganzen Instagram Influencer gesehen habe, die bald jeden Tag neue Kleidung vorstellten (die ja zu 99 % gesponsert sind) war ich neidisch.
Heute erschrecken mich diese Bilder und ich stelle mir vor, wie zugestellt wohl deren Kleiderschrank/Kleiderzimmer aussieht und wie schwierig es ist sich da entscheiden zu müssen.


Je weniger Kleidung wir besitzen, desto leichter fällt einem die Entscheidung was man anziehen soll. Das macht Glücklich! 

Wie geht ihr mit diesem Thema um? Erzählt mir eure Geschichte!

Eure Marliese


Fotos: Unsplash.com

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