Langsam Leben

Ich muss nicht länger die Erwartungen der anderen erfüllen!

Als Teenager war ich ein wahrer Rebell. Mir war es vollkommen egal was andere über mich dachten. Ich äußerte immer meine Meinung, war bereit für jede Diskussion und es zählte in erster Linie mein eigener Geschmack. Nur irgendwann verschwand dieses selbstbewusste Ich.
Mit den Jahren passte ich mich nach und nach an. An die Gesellschaft, an die Arbeitskollegen, an die Mode, an einen „typischen“ Lebensstil und an die Erwartungen der Anderen.

Es began eine spirale in ein Leben, welches nicht nach meinen Vorstellungen entsprach. Aber was waren eigentlich meine Vorstellungen?


Die Erwartungen meiner Mitmenschen wollte ich immer erfüllen und übertreffen. Ich dachte, dadurch könnte ich Freundschaften aufrecht halten, im Arbeitsleben die Karriereleiter emporsteigen und Gesellschaftlich auf einem sicheren Boden stehen. Doch es ist anstrengend und am Ende ging ich daran fast kaputt. Denn genau das Gegenteil passierte.

Als ich bemerkte, wie ungesund dieser Weg ist, habe ich versucht auszubrechen. Doch das ist nicht leicht. Ich musste mich neu kennenlernen und lernen, was meine Bedürfnisse sind.

Ich möchte hier über meine Erfahrungen sprechen und Tipps geben wie du aus der Erwartungshaltung ausbrechen kannst. Ein wichtiger Schritt zu einem Langsamen Lebenstil.

Noch heute begleitet mich dieses Problem. Ich gehe zwei Schritte vor, um danach wieder vier Schritte zurückzulegen. Aber das ist der Prozess und der Weg. Aber das wichtigste ist, dass es mein Weg ist.

Ich bin bei allen Aktivitäten dabei

Heute Party? Ja klar! Am Morgen danach mit Freunden Brunchen und abends zum kreativen Töpfern? Na sicher doch! Mein Glaubenssatz: Bloß nicht fehlen und bei jedem Freizeitevent zusagen.
Sonst wirst du sicherlich nicht mehr gefragt ob du mitgehen möchtest.

Was für ein Freizeit stress. Ich habe unzählige Veranstaltungen besucht um bloß nicht in „Vergessenheit“ zu geraten.

Doch am Ende ist es kein garant dafür, dass die Beziehungen halten. Und brauche ich wirklich Beziehungen zu Menschen, die mir den Rücken zukehren, bloß weil ich nicht bei jedem Spaß ganz vorne mit dabei bin? Nein, natürlich nicht!

Heute wähle ich sorgfältig aus, mit welchen Aktivitäten ich meinen Tag füllen möchte. Meine Zeit ist wertvoll und ich möchte sie hauptsächlich mit Dingen nutzen, die ich gerne tue.

Partys meide ich, denn die Laugen mich aus. Einen gemütlichen Abend mit Freunden und einem Glas Wein gehe ich da viel lieber nach.

Tipp #1: Nimm nur an Aktivitäten teil, bei denen du wirklich dabei sein möchtest.


Das vorzeige Arbeitstier

Auf der Arbeit wollte ich nie Schwäche zeigen. Meine Kollegen sollten immer sehen, dass ich mit allen Herausforderungen Prima und spielend zurrecht komme. Ich halste mir extra Projekte auf und wollte natürlich auch weniger Zeit als alle anderen dafür benötigen. Was ich mir davon versprach? Anerkennung, einen Aufstieg in der Karriereleiter und die Wertschätzung der Kollegen.

Wie es tatsächlich ist? Ich bin die zuverlässiger Kollegin, die man bei jedem Projekt haben möchte, weil sie die Aufgaben erfüllt, schnell arbeitet und keine Anforderungen stellt. Aber mehr auch nicht.
Was es mit mir macht? Ein enormer Druck der mir die Luft zum Atmen nimmt.

Und am Ende bringt es nichts. Es war ein Kampf gegen mich selbst und ich habe ihn, Gott sei Dank, rechtzeitig aufgegeben.

Heute habe ich eine lockerere Einstellung. Wenn ich ein Projekt nicht schaffe, sage ich es rechtzeitig. Ich bitte um Hilfe und versuche nicht alle Dinge alleine zu lösen. Ich habe Schwächen und stehe offen dazu. Und ich äußere Dinge, von denen ich nicht überzeugt bin und gehe in die Diskussion.

Jetzt bin ich wohl eher ein unangenehmerer Kollege, aber mir geht es besser dabei 🙂

Tipp #2: Stehe auf der Arbeit für dich, verstelle dich nicht und stehe zu deinen Stärken und Schwächen.


Die perfekte Partnerin

Auch dieses Klischee wollte ich erfüllen. Die perfekte Freundin, die sich hinter die Bedürfnissen des Partners stellt.  Die jeden Wunsch von den Lippen abliest und total unkompliziert ist.  Total absurd und wohl eine meiner schmerzhaftesten Erfahrungen.

Ich hatte einen Partner den ich auf ein Podest stellte. Ich wollte, dass die Beziehung unbedingt hält und habe mich und meine Bedürfnisse hinter die meines Partners gestellt.

Von einer selbstbewussten Frau mutierte ich innerhalb von ein paar Monaten zu einem eingeschüchterten Wesen. Ich weiß bis heute nicht, was dieser Mann in mir auslöste. Er trennte sich nach gut 1 1/2 Jahren von mir, eben weil ich mich immer hinten angestellt habe und  ihm alles Recht machen wollte. Im fehlte die Reibung, also genau das, was ich tunlichst vermeiden wollte. Diese Trennung war sehr schmerzhaft und meine „neuen Werte“ komplett durcheinander gewürfelt.

Es dauerte ein paar Monate, bis ich mich von diesem Schock erholte. Doch es hat mich im Nachhinein stärker gemacht.

In meiner heutigen Partnerschaft sind wir gleichberechtigt und stehen füreinander ein. Wir streite, wir lieben, wir leben und lachen. All das, was zu einer normalen Partnerschaft gehört.

Tipp #3: Strebe eine gleichberechtigte Partnerschaft an. 

Ich teile meine Zeit nur noch mit Menschen, die mir gut tun

Der – für mich persönlich – wichtigste Punkt ist, meine Zeit mit Menschen zu verbringen die mir gut tun. Dazu habe ich zuerst Reflektiert, welche Freundschaften mich aufbauen und bei welchen treffen ich mit einem guten Gefühl nach Hause gehe.
Und diese Pflege ich. Ich brauche nich länger die „Energievampire“ unter den Freundschaften unterstützen.

Tipp #4: Pflege Freundschaften, die dir gut tun!

Mein Fazit ist, dass es nicht gut ist und auch keine Erfolge bringt, die Erwartungen der anderen Menschen stets erfüllen zu müssen. Leider tendieren wir gerne dazu, dass wir es den anderen Menschen recht machen wollen, nur damit man sich gerne mit einem umgibt.
Hören wir also bitte auf es allen Recht machen zu wollen. Wir müssen wieder lernen unsere eigenen Bedürfnisse mehr in den Vordergrund zu rücken. Mit jeder Entscheidung die wir treffen, können wir unser Leben wieder in die richtigen Bahnen lenken.

Kennt ihr das auch oder habt ähnliche Erfahrungen gesammelt? Lasst mich teilhaben 🙂

Eure Marliese


Beitragsbild: unsplash.com

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