Konsum,  Langsam Leben,  Wohnen

Als mein Besitz mich erdrückte

Wer gerade umzieht kennt  dieses Gefühl, sein ganzes Hab und Gut in Kisten packen zu müssen. Alles was man besitzt wird angefasst, verpackt, transportiert, ausgepackt. Kurzum, jeder Gegenstand muss mindestens 5 mal in die Hand genommen werden.

Als Feststand, dass wir umziehen werden stellte sich ganz schnell ein Gefühl in mir ein. Ich fühlte mich erdrückt. Nur was tun, um wieder Herr der Lage zu werden und das Positive aus dieser Situation zu ziehen?

Ich schaute mich in unserer Wohnung um und ärgerte mich, über mich selbst. Was sich in den letzten zwei Jahren, seitdem wir in dieser Wohnung wohnen, angesammelt hatte ist unglaublich. Mit meiner Kleidung könnte ich Problemlos eine 5-Köpfige Familie einkleiden. Und ich wusste genau, das Problem bin ich und nicht mein Partner.

Ganz viel lieb gemeinte Geschenke, verstauten sich in sämtlichen Schubladen. Und von unserem Keller möchte ich erst gar nicht reden.

Parallel zu meinem allgemeinen Wandel passte diese Situation ganz gut und ich nutzte die Chance um meine Wohnsituation zu überdenken. Es bot sich regelrecht die Chance befreit in eine neue Wohnung zu starten und alles Loszulassen was nicht mehr in mein leben passt.

Konsum einstellen

Als wir die Zusage für unsere neue Wohnung erhalten haben, habe ich umgehend meinen Konsum gestoppt. Das ganze ist nun drei Monate her und ich habe mir seitdem nur Dinge gekauft, die ich wirklich brauchte. Das heißt Lebensmittel, Drogerieartikel und 2-3 Bücher – ja, die Bücher waren Lebensnotwendig 😉

Sortieren und Packen 

Ich besorgte mir ganz schnell Umzugskartons und begann die Dinge einzupacken, die ich auf jeden Fall mitnehmen möchte und die ich aktuell nicht brauche (Winterpullis, Winterstiefel etc.)
So waren die ersten Sachen schon mal verstaut und es wird übersichtlicher.

Aussortieren

Alles was ich aussortierte unterteilte ich in Kategorien: Verschenken, Verkaufen und Wegwerfen. Die Dinge, die kaputt sind und ich „wenn ich mal Zeit habe“ reparieren wollte, habe ich weggeworfen.
Anderes habe ich Freunden und Familie angeboten. Kaum zu glauben, wie viel mir da schon abgenommen wurde. Mich freut es auf jeden Fall, die beste Freundin in dem ein oder anderen Kleidungsstück von mir zu sehen 🙂
Kleider, die zu Schade zum wegwerfen sind, habe ich in einen Kleidercontainer gegeben. Gebrauchsgegenstände gab ich beim Sozialkaufhaus ab.
Möbel und teurere Dinge lassen sich gut über diverse Facebook Gruppen oder Ebay-Kleinanzeigen verkaufen.

Kellerkiste 

Die letzte Kategorie ist meine Kellerkiste. In die packte ich Dinge, von denen ich mich momentan noch nicht trennen kann. In ein paar Monaten möchte ich diese hervorholen und nochmal durchschauen. Alles was ich bis dahin nicht vermisst habe gebe ich her.

 

Ich hatte wirklich große Probleme mich von Gegenständen zu trennen. Ich schaffte es zu den banalsten Dingen Emotionen aufzubauen. Doch nach und nach stellte sich nach jedem weggegebenen Gegenstand eine Leichtigkeit in mir ein. Aber wie ich Bereits in meinem Blogtitel zitiert habe:

„Jeder Mensch sucht nach Halt. Dabei liegt der einzige Halt im Loslassen“ – Hape Kerkeling

In diesem Sinne hab ich noch viel zu lernen.

Schritt für Schritt.

Wie geht ihr mit diesem Thema um? Seid ihr Menschen die gerne Dinge ansammeln oder schon radikale Ausmistmeister?

Eure Marliese

Foto: unsplash

 

 

7 Kommentare

  • Karibik-LIEBE

    Liebe Marliese, toller Text und bezüglich der gekauften Bücher (lebensnotwendig) kann ich nur zustimmend nicken 🙂
    Ich bin ebenfalls seit einiger Zeit am Ausmisten. Ausschlag gegeben hat unter anderem meine Zeit in Kuba und wie gut es mir da getan hat, in einer komplett spärlich eingerichteten Wohnung zu leben. Es wird einem klar, wie wenig man wirklich braucht im Leben. Denn glücklich machen einen diese Gegenstände in der eigenen Wohnung ja nicht. Ich merkte regelrecht, wie mich alles erdrückte in meiner Wohnung nach der Rückkehr aus Kuba und auch meine Stimmung litt darunter.

    Seit ich angefangen habe, viele meiner Sachen zu verschenken oder zu verkaufen, spüre ich ebenfalls diese Leichtigkeit, bei jedem Teil, das ich loslassen kann. Tolles Gefühl! 🙂 Ich mache auf jeden Fall weiter… auch wenn es mir genau so schwer fällt, wie dir. Ich hadere immer noch bei einigen Sachen. Aber wenn ich sie dann bei mir Zuhause stehen lasse und ab und zu wieder einen Blick darauf werfe, (sehe, wie sie zusehends wieder verstauben ohne dass ich sie auch nur einmal benutzt habe) merke ich, dass die Emotionen, die ich damit verbinde, sich von dem Gegenstand lösen. Denn mit der Zeit nervt einen der Anblick immer mehr, zeugt er doch vom eigenen Scheitern (des nicht wegwerfen-könnens) und so ändert sich die Dynamik der Verbindung, die ich zu dem Gegenstand habe. Irgendwann nervt er mich schon fast und ich bin froh, ihn loszuwerden 🙂 Liebe Grüße und weiterhin viel Erfolg im Minimalismus!

  • Marliese

    Liebe Cecilia, du sprichst mir einfach aus der Seele!
    Ich habe auch beim Reisen gelernt, was ich wirklich täglich brauche und was nicht. In meinem alten Job, bei dem ich Mo-Fr gereist bin, hatte ich anfänglich schweren Familienkoffer dabei. Nach ein paar Jahren reichte mir ein Handgepäckkoffer pro Woche. 😀 Wie viele Dinge habe ich unnötig mit mir rumgeschleppt. Ich mag gar nicht mehr dran denken!
    Doch der Schritt mich auch zu Hause von Dingen zu trennen, hat lange gedauert und erst jetzt gefruchtet.
    Ich merke auch, dass ich Phasen habe, bei denen es besser oder schlechter läuft. Ich muss lernen mir die nötige Zeit zu geben.

    Ich wünsche dir auch viel Erfolg und Danke für deinen Kommentar.

    Viele Grüße,
    Marliese

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