Langsam Leben

Was mein Zuckerfasten bewirkte

Schon seit meiner Kindheit begleitet mich die Fastenzeit. 40 Tage im Jahr, zwischen Fasching und Ostern, in denen ich auf etwas verzichtete, dass ich eigentlich sehr gern Konsumiere.
Seit meiner Pubertät, als die ersten Gewichtsprobleme in mein leben traten, war die Fastenzeit immer der Anstoß, mal wieder auf Süßigkeiten zu verzichten. Das schlechte Gewissen war beruhigt. Danach ging es weiter wie vorher. Meine Beweggründe zu Fasten, waren nicht die ehrenhaftesten. In erster Linie befriedigte ich das Gewissen und tat etwas für meine Figur.

Dieses Jahr sollte sich das ändern.

Seitdem ich Depressionen habe und in einer Therapie bin, lerne ich mich und meine Bedürfnisse wieder Schritt für Schritt kennen.
Ich lerne, wieder auf mich und mein Bauchgefühl zu hören und vor allen Dingen, was ich mag und was nicht.
Als Außenstehender klingt das vielleicht banal. Für mich ist es bislang die größte Hürde.

Mein Partner kam auf die großartige Idee, dieses Jahr in der Fastenzeit auf  Zucker zu verzichten. In erster Linie sollte das der Haushaltszucker sein. Aber auch Ersatzsüßungsmittel wollten wir meiden.
In vielen Artikeln haben wir zuvor gelesen, wie schlecht Zucker für den Körper ist und welche positiven Auswirkungen es hat, wenn man den Zuckerkonsum runterschraubt.
Wieso das nicht mal an mir selbst ausprobieren?

Fakt ist – wir essen definitiv viel zu viel Zucker. Allein der morgendliche Kaffee mit Zucker und Milch oder der Honig im Knuspermüsli sind schon die ersten Teelöffel.

Ich werde später noch ein ausführlichen Artikel über Zucker verfassen. Heute geht es mir in erster Linie um die Auswirkungen des Zuckerverzichts und wie mein Zuckerverzicht mit Langsam Leben zusammenhängt.

Mein Hungergefühl hat sich verändert

Ich bin ein Mensch, der an Heißhunger leidet. Gerade auf der Arbeit gehört für mich der Schokoriegel in der Mittagspause dazu. Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme überfalle ich förmlich den Kühlschrank um schnell Energie zu tanken und danach ein Mittagsschläfchen auf dem Sofa zu machen.
Seit ich auf Zucker verzichte, ist mein Heißhunger passé. Mein Hungergefühl an sich fühlt sich anders an. Ich esse bedachter, nutze es nicht mehr als Befriedigung. Sondern als Energieaufnahme. Mehrere Stunden ohne essen sind für mich kein Problem mehr. Selbst wenn ich extrem Hunger habe, ist das Gefühl zwar unangenehm, aber ich plündere nicht mehr den Kühlschrank zwischen den Mahlzeiten.
Dieses Gefühl hat sich bei mir übrigens ganz schnell eingestellt. Schon nach gut zwei Wochen war mein Hungergefühl ein anderes Gefühl als ich bisher kannte.

Mein Hautbild hat sich verändert 

Ich bin ende 20 aber meine Haut glich oftmals der eines Teenager. Schrecklich! Ich dachte immer, mit fast 30 hat man keine Pickel und Mitesser mehr.
Das wirklich die Schokolade damit zusammenhängt, hielt ich für ein Gerücht.
Doch leider kann ich mittlerweile nur bestätigen, dass Zucker schädlich für die Haut ist. Sei es Zufall oder Tatsache. Nach fast 5 Wochen Zuckerverzicht, sind meine Poren reiner und meine Pickel Vergangenheit. Klar hab ich noch ab und an Unreinheiten. Aber es wird immer besser.

Welcome back, liebe Konzentration

Das bei Depressionen die Konzentration nachlässt ist kein Geheimnis. Daher habe ich momentan nicht damit gerechnet, dass es sich mit meinem Zuckerfreien leben ändert.
Umso größer war die Freude, nach Woche 4 Veränderungen in der Konzentration zu spüren. Aufgaben, die mir in den letzten Wochen und Monaten schwer gefallen sind, sind nun wieder wesentlich klarer.
Ich war teilweise total unstrukturiert und habe so auch versucht durch meinen Arbeitsalltag zu kommen.
Jetzt merke ich Tag für Tag Veränderungen. Meine Arbeit fällt mir wieder leichter und ich kann mich auch besser strukturieren.
Ich habe das Gefühl, als wäre mein Blick wieder schärfer auf die wesentlichen Dinge gerichtet und ich lasse mich nicht mehr so leicht ablenken. Ein wirklich befreiendes Gefühl!

Mein Körper und mein Körpergefühl verändern sich

An den Kilos hat sich bei mir nicht viel getan. Umso mehr an meinem Umfang. In der Fastenzeit habe ich gut 2 Kilo abgenommen. Im Vergleich aber 10cm Bauchumfang verloren. Und ich habe normal gegessen.
Gleichzeitig nehme ich meinen Körper anders wahr. Ich merke auf einmal, dass ich Bewegung oder Erholung brauche. Ich konnte dieses Gefühl gar nicht mehr differenzieren. Ich kümmere mich wieder mehr um meinen Körper und nehme mir auch bewusst Zeit für ihn. Gehe regelmäßig zum Yoga. Lege viele Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurück. Ich gebe ihm Nahrung wenn er Hunger hat und Pausen wenn er erschöpft ist.

Langsam Leben

Durch dieses neue Bewusstsein bin ich zum langsamen Leben gekommen. Wenn wir nicht mit dem Zuckerfasten begonnen hätten, wüsste ich nicht, ob ich die gleichen Erkenntnisse gehabt hätte.
Ich beschäftige mich viel mit mir und meiner Umgebung. Habe Dokumentationen über Minimalismus gesehen und etliche Bücher und Blogs darüber gelesen.
Mein Partner und ich haben den Entschluss gefasst, das Zuckerfasten fortzusetzen. Gleichzeitig haben wir Fernsehfasten begonnen. Wir haben unseren Fernseher abgesteckt und schauen uns momentan nur ausgesuchte Dokumentationen im Internet an.

In den letzten Monaten begann ich Tag für Tag mehr mein Leben zu hinterfragen:

-Welche Pflegeprodukte benötigst du tatsächlich und ist das alles ökologisch vertretbar? Was „schmierst“ du dir da täglich auf die Haut?
-Brauchst du 5 Jeanshosen und ist es der richtige Weg Fast Fashion zu unterstützen? 
-Wie viele Dinge in deinem Umfeld verwendest du eigentlich täglich? 
-Welche Nahrungsmittel bekommen dir und welche Produkte isst du, weil sie vermeintlich gesund sind? Muss es der Smoothie, bestehend aus 2 Äpfeln, Birnen und Bananen sein oder reicht es einen Apfel zu essen?
-Welche Signale sendet dir dein Körper tagtäglich und was nimmst du davon wahr?
-Wie Konsumabhängig bist du?
-Wie beeinflussen dich Instagram und co.

Ein spannender Weg hat begonnen. Und weitere Erfahrungen könnt ihr hier im Blog verfolgen.

Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Erzähl mir deine Geschichte!

Eure Marliese

 


Foto: unsplash.com

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